Es war ein mal ein Zimmer, das hatte Wände so weiß wie Schnee, ein Sofa so rot wie Blut und Möbel so schwarz wie Ebenholz. Das schönste an ihm aber, war der Kronleuchter. Seine Bewohner nannten es liebevoll: das Schneewittchenzimmer. Bis, ja bis die Kinder kamen.
Nichts in meinem Leben war bisher so unbeständig, wie die Vorstellung davon, wie mein Zuhause aussehen soll. Noch heute kann ich mich nicht entscheiden, ob ich lieber eine schicke Altbauwohnung mit hohen Räumen und Balkon oder doch lieber ein Haus mit Garten haben will. Letztendlich waren und sind die Gelegenheiten, sich diesbezüglich entscheiden zu dürfen aber auch recht selten.
Immerhin durfte ich mir bei der Umgestaltung meines Kinderzimmers in ein Jugendzimmer aussuchen, wie das Bett und die Schränke aussehen sollten. Als möglichst lässiger Teenager packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und wählte das einzig Wahre (also das, was die Eltern niemals genommen hätten): Schwarz. Und so zierten denn bald Möbel im feinen anthrazit-schwarz Dekor mein Zimmer und ich bereute es spätestens beim Thema Staub(wischen).
Meine erste wirklich eigene Bude überraschte mich dann selbst. Ich landete beim Möbelshopping weit weg von den modernen Glas-Furnier-Metall-Möbeln in der Naturholz-Abteilung. Ich war Anfang 20 und wollte Kiefer gelaugt/geölt statt Nussbaum mit Chrombeschlägen. Mag sein, dass meine Eltern mich da geprägt hatten. Alles in allem mochte ich es aber eher gemütlich als modern. Wer jetzt an Landhaus-Stil denkt liegt aber falsch. Ich mag weder Blumenornamente noch Gedrechseltes. Klare Formen und schlichte Details, aber eben aus Holz, das wie Holz aussieht und sich auch so anfühlt.
Diese Erstausstattung ist seitdem vier Mal mit mir umgezogen. Von der eigenen Bude in eine WG, von da in die nächste WG, dann weiter ins traute Familienheim bis hinein in meine Single-Mama-Wohnung. In den WGs herrschte ein bunter Mix aus Stilrichtungen. Einige Mitbewohner schliefen mit der Matratze auf dem Boden und hatten sonst nichts als einen Stoffkleiderschrank. Andere wohnten noch schwärzer als ich in meinen Teenagertagen. Und wieder andere hatten damals schon moderne und stellenweise teure Möbel.
Wenn man nun mit einem Partner zusammenzieht, heißt es meist, zwei Stilrichtungen so vereinen, dass sich am Ende beide wohl fühlen. In meinem Fall bedeutete dies: erstmal renovieren und dann Omas alte Möbel mit meinen und neuen Sachen kombinieren. Heraus kamen ein Sonnenzimmer, ein grüner Salon und ein Schneewittchenzimmer. Das Sonnenzimmer strahlte durch warm-gelbe Wände und durch eben meine Kiefernmöbel selbst an Regentagen gute Laune und Freundlichkeit aus. Der grüne Salon war ein Esszimmer mit einer riesigen Milchglaskugel-Lampe, großen Regalen mit Gläsern und mattgrünen Vorhängen. Das Schneewittchenzimmer verdankte seinen Namen Omas alten Ohrensessel, der genauso weinrot war wie das Sofa und die schweren Vorhänge. Über dem klassisch dunklen und wuchtigen Büfett hing ein großer gerahmter Spiegel an einer schneeweißen Wand.
Und obwohl es eines der niedrigsten Zimmer war, in denen ich je gelebt hatte, erfüllte ich mir hier den Traum vom Kronleuchter. Man mag es nicht glauben, aber ich fand einen Lüster, der höhenverstellbar war und somit auch in diesen Raum passte. Ich war stolz und fand dieses Zimmer sehr edel eingerichtet.
Doch was dann kam, verändert jedes noch so sorgfältig eingerichtete Zimmer innerhalb von Minuten und dann auch noch nachhaltig: Kinder. Egal, ob man nun Omas Möbel aufhübscht, kühle Designermöbel hat oder am liebsten einfarbig wohnt. Sind Kinder im Haus, wird alles bunt und es gibt nur einen Stil – bunt. Egal wie gut man hinter ihnen herräumt, es vergeht kein Tag, an dem man nicht auf knallbuntes Spielzeug tritt oder ein rosa-blau-gelbes Minishirt irgendwo liegen bleibt. Gott sei Dank verschieben sich mit dem Kinderkriegen in der Regel auch die Prioritäten. So vernachlässigt man bald die Sisyphos-Aufgabe, jeglichen Kinderkram aus dem Blickfeld zu räumen. Ich jedenfalls musste immer grinsen, wenn ich mich abends aufs edel-rote Sofa warf und auf einem Quietschtier landete.
Daran hat sich auch in unserem heutigen Zuhause nichts geändert. Hier gibt es kein Schneewittchenzimmer und keinen grünen Salon. Stattdessen haben sich die Kiefernholzmöbel wieder ausgebreitet. Sie wuchern an allen Ecken und Enden mit dem Spielzeug und Kinderkram um die Wette. Alles in allem ergibt das ein gemütliches Chaos, das manchmal ein bisschen mehr Ordnung vertragen könnte, aber selten mehr Wärme. So fühlt es sich zumindest für uns an.
Diese Wohnung wird nicht für immer unser Zuhause sein. Denn irgendwann sollte jedes meiner Kinder sein eigenes Zimmer haben. Irgendwann kommt sicher auch wieder ein Partner für mich dazu. Dann wird sich wieder die Frage stellen, wie wir leben wollen. Vielleicht in einer geräumigen Altbauwohnung mit Balkon, vielleicht in einem Haus mit Garten – vielleicht aber auch ganz anders.













Liebe Tina,
das erinnert mich an meine ersten “Home-Deko-Aktionen” als Teenie, noch im Kinderzimmer. Ich habe eigenhändig Korktapete angebracht (muss Ende der 70er gewesen sein) und Jute (jo, statt Plastik!) auf die grüne Schrankwand geklebt. Und fand das sehr schön
Gruss von Christine,
(die sich gerade mit Duschwinkelstangen und Standgarderoben beschäftigt)
Hallo Christine,
meine Eltern hätten mir aber den Marsch geblasen, wenn ich irgendwo was dran gekleistert hätte.
Und Duschwinkelstangen sind grausam!
Viel Erfolg
Tina
Huhu Tina,
es waren auch zähe Verhandlungen nötig, bis ich das Zimmer umgestalten durfte – aber eine knallgrüne Schrankwand (die ich heute durchaus schmuck fände) schien mir damals untragbar. Den Schrank gibt’s übrigens noch im elterlichen Haus, Jute und Kork sind wieder verschwunden, es zeugen nur noch Klebstoffspuren an den Schrankfronten von meiner Aktion.
Hallo Christine,
grün war noch nie meine Farbe. Wenn sich das irgendwann mal ändert, werde ich genauso darüber staunen, wie damals über den Drang zum Echtholz-Möbel-Kauf!
LG Tina
Als ich deinen Artikel gelesen habe, konnte ich die einzelnen Zimmer vor meinem geistigen Auge sehen. Auch ich hatte ähnliche Zimmer…bis das erste Kind kam….da hatte ich auch schon 3 Umzüge hinter mir. Nun sehe ich den Wandel der Zimmereinrichtung bei meiner großen Tochter, der auch wiederum meinem ähnelt. Bei mir sind es auch die Echtholz-Möbel, die mein Zuhause ausfüllen, teils richtig alte, aber überwiegend neue. Ich habe mich ein wenig in deiner Beschreibung wiedergefunden….die Zeiten und die Geschmäcker ändern sich und wenn erstmal Kinder da sind, ganz sicher die Prioritäten. Ich brauche dieses “heimelige” Gefühl in meinen 4 Wänden
– und das ist wohl das Wichtigste, egal in welchem Stil…
Hallo Kerstin,
du hast vollkommen Recht: egal welcher Stil, es muss sich nach dem eigenen Zuhause anfühlen.Wenn ich manchmal durch die Möbelläden gehe, sehe ich vieles was mir gefällt, aber ganz wenig was nach mir aussieht. Manchmal denke ich, ich bin zu alt für den Sch… . Aber eigentlich hab ich eben nur meinen Stil gefunden.
LG Tina
So gelesen
Mir gefällt das Ende am Besten. Übrigens nicht nur Kinder, auch Tiere gestalten die Zimmereinrichtung mit. Auch wenn mein Stubentiger netterweise lieber den Kratzbaum malträtiert als mein Sofa, alles was a)nicht kaputt gehen oder b) nicht angeknabbert) oder c) nicht in der Wohnung verstreut (ich rede hier von Fruit Loops) werden soll, muss entweder rauf oder rein
Aber zu meinem Heim gehört es nunmal, durch die noch geschlossene Tür bereits mit einem “miau” begrüßt zu werden
Liebste Grüße
Steff
Ah da braucht jemand mindestens genauso viel Stauraum in höher gelegenen Bereichen, wie ich. Ich sags ja: Haustiere sind oft wie Kinder.
LG Tina