Die Quark-Milchreis-Tütensuppen-Diät

sigrid rossmann / pixelio.de

Das Ausmaß dieser Aktion war mir vorher irgendwie nicht klar gewesen. Doch nun stehe ich im Supermarkt und kaufe Lebensmittel für zahnlose Menschen. Dabei habe ich Zähne, sie sind nur vorübergehend außer Betrieb. Eigentlich eine gute Gelegenheit, ein bisschen abzuspecken.

Es gibt Dinge, die schiebe ich gern mal vor mir her: Fensterputzen, die Steuererklärung und größere Reparaturen an meinen Zähnen. Irgendwann packt es mich dann allerdings und ich erledige alles in einer Woche. So wie jetzt zum Beispiel.

Okay, das Fensterputzen habe ich großzügiger Weise ausfallen lassen. Aber die Steuererklärung ist abgegeben – für die letzten zwei Jahre, wohlgemerkt. Und nun stehe ich etwas benommen im Supermarkt und suche nach Lebensmitteln, die man beim Verzehr nicht kauen muss. Wobei, nach Essen ist mir momentan eh nicht wirklich. Meine Unterlippe ist so taub, dass ich nicht sicher sagen könnte, ob mein Mund zu ist oder dümmlich offen steht. Und meine Zunge fühlt sich an wie ein zu großes Stück rohen Fleisches, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass mir der Mund wirklich offen steht.

Claudia Hautumm / pixelio.de

Rechts und links dieses gefühllosen und überdimensionierten Lappens stecken Provisorien auf zurechtgestutzten Zähnen. In einer Woche werden sie von bissfesten Kronen ersetzt. Bis dahin ist beim Kauen Vorsicht geboten. Für Sachen wie Schnitzel, Hühnerfleisch und Schinkenbrot sind diese Zahnschutzkappen einfach nicht gemacht.

Stattdessen sollten die Nahrungsmittel meiner Wahl bestenfalls so heruntergeschluckt werden können, wie ich sie in den Mund schiebe. Also von der Konsistenz her schön weich, wenn nicht gar flüssig. Das schränkt die Auswahl der Lebensmittel für die nächsten Tage doch erheblich ein. Und bietet doch die Möglichkeit, gleich ein wenig abzuspecken. Also morgens Joghurt statt Cornflakes, mittags fettarme Tütensuppen und abends herzhaften Quark in Variationen statt Butterbrot. Das sollte machbar sein!

Also ziehe ich frohen Mutes von Regalreihe zu Regalreihe und fülle meinen Einkaufswagen mit Zahnlose-Minna-Essen für mich und „normalen“ Sachen für die Kinder. Kurz vor der Kasse gehe ich den Inhalt meines Wagens noch einmal durch: Brot, Wurst und Kekse für die Kids – Alles da. Joghurt, Tütensuppe und Quark für die Mama.

Ähm, Moment mal: Also Quark habe ich, sogar vier verschiedene Sorten. Tütensuppen auch, wobei ich nicht sicher bin, ob man Kartoffelcremesuppe als fettarm bezeichnen kann. Und, äh,… ups! Zählt Kirschwackelpudding auch? Der war schließlich im selben Regal wie der Joghurt.

Scheinbar gibt es auch für zahnlose Leute genug Hilfsmittel und Möglichkeiten, um fett zu werden. Ganz offensichtlich habe ich eine tief sitzende Abneigung gegen fettarme Pseudo-Fruchtpampe und Wassersuppen mit fünf Prozent Gemüse plus nix. Selbst der Quark hat es nur in der normalen Version in meinen Einkaufswagen geschafft – und nicht die Magerstufe.

Aber warum auch?

pauline / pixelio.de

Meine Kids finden mich kuschelig und ich gerate auch beim Treppensteigen bis in den fünften Stock nicht aus der Puste. Von Konfektionsgröße 38 habe ich mich freilich spätestens seit meiner zweiten Schwangerschaft verabschiedet – im Guten, aber eben für immer. Ich bin eine Frau mit zwei Kindern und bin eben auch so gebaut. Ich gehörte nie zu den schlanken Teenagern, nie zu den sportlichen Durchstartern und ganz sicher nicht zu Supermamis, bei denen man sich fragt, in welchem Bauch sie denn bitte ihr Kind gehabt hatten. Mir sieht man es eben an.

Klar bekommt mein Spiegelbild auch von mir oft genug eher abschätzige Blicke. Da bin ich typisch Frau und nie wirklich zufrieden. Ich esse aber viel zu gern und – was wohl entscheidender ist – habe andere Prioritäten als 20 Kilo abspecken für so wichtig zu halten, dass ich mich da einschränken möchte. Also gibt es eben Pudding statt Joghurt und Kartoffelcreme- statt Tomatenwassersuppe. Spätestens am dritten Tag wird mir diese Zahnlosen-Nahrung zum Halse raushängen. Ein Grund, warum sich diese Woche trotzdem auf der Waage bemerkbar machen wird. Daran kann auch der Milchreis nichts ändern, der sich zwischen den Tütensuppen eingeschmuggelt hat.

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4 Responses to Die Quark-Milchreis-Tütensuppen-Diät

  1. Ohja, die Steuererklärung… habe heute angefangen, mich gedanklich damit zu beschäftigen. Und provisoriumstaugliche Mahlzeiten können sehr, sehr öde sein. Ich empfehle Kartoffelpüree, das von Alnatura – falls dir das ganz flüssige Zeugs zu den Ohren wieder rauskommt! ;)

  2. wildschwein sagt:

    Ich kann auch Babynahrung empfehlen, in allen Variationen, notfalls nachgewürzt
    Nach einer OP mit, danach, 6 Zähnen weniger kenn ich mich da aus :)

    • tina sagt:

      Hehe, danke für den Tipp.
      Aber ich denke, ich werde es ohne Babynahrung schaffen. Übermorgen ist meine Knabberleiste fit. Und ich freu mich auf Hähnchenschenkel.

      LG Tina

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