Seit gestern dann doch Blog-reif

Dirk Schröder, Springe / pixelio.de

Was war mit diesem Tag gestern, dass er mich so zum Schreiben drängt? Schließlich war er nur einer von vielen, an dem ein Vorstellungsgespräch bei einer privaten Arbeitsvermittlung auf dem Plan stand. Eines von der Sorte, die wenig Aussicht auf konkrete Schritte in Richtung Wiedereinstieg in die Arbeitswelt bietet. Mit ein wenig Glück hätte mein Gegenüber wenigstens einen flüchtigen Blick auf meinen Lebenslauf geworfen, voraussetzen kann man das in dieser Welt leider nicht. Sicher: von meiner Qualifikation her bin ich ein Leckerbissen. Aber eben nur bis zum Thema Arbeitszeit und Verfügbarkeit. Für die Arbeitsvermittler muss das wie mit einem Wildschweinbraten sein: sie sehen ihn vor sich und lecken sich die Finger danach. Doch spätestens beim Durchkauen des ersten saftigen Bissen stoßen sie sich die Zähne an Schrotkugeln. Auf denen sind so Dinge wie “alleinerziehend”, “Kleinkinder” und “Kita-Öffnungszeiten” eingraviert. Die meisten Personalvermittler können ihre Enttäuschung kaum verbergen, manche sehen sogar ziemlich verärgert aus. Was diese nicht bedenken, ist die Tatsache, dass der schrotkugelgespickte Wildschweinbraten ihnen lebendig gegenüber sitzt und diese gelinde ausgedrückt unhöfliche Gesichtsentgleisung durchaus registriert.

Gerd Altmann / pixelio.de

Heute sollte nun also nach gefühlten 1000 vorhergegangenen ein weiterer dieser sinnfreien Termine stattfinden. Und das auch noch in Halle. Normalerweise versuche ich alles abzuwimmeln, was jenseits des Riebeckplatzes liegt. Warum ich diesmal zugesagt hatte, weiß ich nicht mehr, aber ich bereute es schnell. Kaum hatte ich das Ortseingangsschild passiert, durfte ich baustellenbedingt eine kleine Rundfahrt durch ein Einkaufszentrum antreten. Nun gut, jetzt weiß ich wenigstens, wo ich einen Laden für Tiefkühlprodukte finden kann… ausschließlich Tiefkühlprodukte. Ich dachte, dafür gibts die fahrenden Tiefkühltruhen, bei denen meine Omas ihr Essen bestellten und es sich bis in den heimischen Eisschrank schleppen ließen. Wieder was gelernt! Doch das sollte nicht die einzige Rundfahrt des Tages bleiben: eingekeilt zwischen zwei Lkw´s und einem Bus, verpasste ich selbstverständlich die richtige Abfahrt nach dem Riebeckplatz und landete nicht im Zentrum, sondern schnurstracks und scheinbar unwiderruflich auf dem Weg nach Eisleben. Hallenser mögen mich für ein blindes Landei halten… zumindest die eine, die ich am Telefon hatte, als ich mich beim geplanten Gesprächspartner für meine Verspätung entschuldigen wollte. Ihr Kommentar bewog mich jedenfalls, es für diesen Tag gut sein zu lassen und mit ihrem Chef später einen neuen Termin zu vereinbaren. Für heute hatte ich genug.

Gerd Altmann / pixelio.de

Dumm nur, dass die Arbeitsvermittler noch nicht genug von mir hatten. Denn da war ja noch die Geschichte mit dem Vermittlungsgutschein. Nachdem der letzte abgelaufen war, hatten sich einige Personalagenturen meiner Person erinnert und telefonisch nach einem neuen gefragt. Von einigen dieser Arbeitsbeschaffer hörte ich so nach Wochen zum ersten Mal wieder etwas. So hatte ich mich denn tags zuvor dazu hinreißen lassen, den frischen Freifahrtschein für private Jobvermittlungsgebührenerstattungsbedürfnisse an diverse Agenturen zu versenden. Natürlich mit einem netten Anschreiben, aber ob der Menge an Bedürftigen nicht jeden einzeln. Prompt erreichten mich ein, zwei telefonische Jobvorschläge, allerdings auch eine Email. Der potenzielle Arbeitsvermittler empfand es als schade, Teil einer Massenmailempfängergemeinschaft geworden zu sein. Zudem könne er mir nicht weiterhelfen, da er nur einen Arbeitgeber als Vermittler betreut und dieser im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten nichts anbietet. Ich konnte es nicht lassen, ihm in einer – diesmal persönlichen Einzelmail – zu antworten. Dabei bedankte ich mich für seine Rückmeldung, und emfand es als schade, dass er mir zwar auf eine Massenmail, nicht aber auf meine Bewerbung antworten konnte, wobei ich doch bereits in der Bewerbung meine eingeschränkten zeitliche Verfügbarkeit erwähnt hatte.

Was bleibt von diesem Tag ist eine unbestimmte Wut im Bauch. Ich treffe selten auf private Personalvermittler, die sich mir gegenüber als Dienstleister verstehen. Dabei wird doch allerorts von Fachkräftemangel gesprochen, so dass man zumindest davon ausgehen kann, dass diesen Agenturen die Rosinen in Deutschlands Arbeitnehmer-Kuchen ausgehen. Wie arrogant muss man sein, wenn man meint, sich nicht um den Rest des Kuchens kümmern zu müssen? Stellt der Teig doch die Masse dar und nicht die Rosinen.

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