Jugend musiziert – und das kann sich hören lassen!

Die landläufige Meinung über Teenager ist heutzutage ja beim besten Willen nicht gerade schmeichelhaft: Smartphone-geil, Marken-affin und Kultur-banauserisch. Allein schon deswegen tut es wunderbar gut, zu sehen oder besser zu hören, dass sie doch etwas drauf haben. Wenn nicht alle, so doch auf jeden Fall die, die ich heute Nachmittag erlebt habe.

Zwischen Leipzig und Halle/Saale gelegen, ist Schkeuditz vor allem durch sein Autobahnkreuz, Flughafen und DHL bekannt. Kaum jemand vermutet hier Kultur, die sich dann auch vor der in großen Nachbarstädten verstecken muss. Doch „mein“ Verein, der art Kapella Schkeuditz e.V., beweist regelmäßig, dass diese Kleinstadt etwas zu bieten hat.

Heute zum Beispiel gab es ein Konzert der Preisträger des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“. Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Podium junger Künstler“ hatten die Musiker so die Möglichkeit, sich vor Publikum zu beweisen. In diesem speziellen Fall bereiteten sich die Akteure mit ihrem Auftritt auf den Landeswettbewerb vor. Was es zu hören gab, war dementsprechend hochwertig und vielfältig.

Die 10-16jährigen brachten Stücke aus 3 Jahrhunderten zu Gehör. Sie spielten Jean-Louis Duport auf Violoncello, Franz Just auf der Violine, Ciro Fiorentino auf der Gitarre und Carl Maria von Weber auf der Klarinette. Meist begleitet von Gleichaltrigen auf dem Klavier, oder wie bei der Gitarre als Solist. Vor immerhin 60 Zuhörern.

Die jungen Musiker waren durch die Bank weg hoch konzentriert und mit Ehrgeiz dabei. Manchem Nachwuchskünstler war die Anspannung auch durchaus anzusehen, aber grobe Schnitzer hat sich keiner erlaubt.Als dann eine Sängerin nicht auftreten konnte, weil ihre Klavierbegleitung kurzfristig und kreislaufbedingt ausfiel, gab es Krokodilstränen.

Ein Podiums-Teilnehmer überraschte mich dennoch mit seinem Können und der Art seines Spiels auf dem Violoncello. Bobby K., gerade einmal 13 Jahre alt, spielte mit so viel Gefühl und Selbstsicherheit, als hätte er nie etwas anderes getan. Meist mit geschlossenen Augen und ohne einen Blick auf (eh nicht vorhandene) Noten werfen zu müssen, versank er in seiner Musik – und die Zuhörer mit ihm.

Dabei war er keineswegs uncool oder wirkte wie der typische Klassenstreber. Die Art, wie er nach dem Instrument griff, hätte man auch bei einem charmanten Tänzer beobachten können. Eben selbstbewusst, gefühlvoll und rundherum siegessicher. Genau deshalb stach Bobby K. aus der Menge der Akteure des Nachmittags hervor: er rechnete nicht damit, einen Fehler machen zu können.

Nun habe ich im Laufe der Jahre durch viele musikalische Programme ein halbwegs geschultes Ohr entwickelt. Trotzdem bin ich absoluter Laie, wie der Großteil des heutigen Publikums auch. Es kann also durchaus sein, dass er an der einen oder anderen Stelle „gepfuscht“ oder den Bogen falsch angesetzt hat. Für mich klang es jedoch perfekt.

Wer aus der Nähe kommt und jungen Menschen musizieren hören oder schauspielern sehen möchte, der sollte einfach mal einen Blick auf unsere Webseite www.artkapella.de werfen. Das nächste „Podium junger Künstler“ findet am 1. April 2012 statt. Dann musizieren Studenten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ Leipzig. Bis dahin kann man aber auch an jedem Wochenende unsere aktuelle Ausstellung mit Öl-Malereien von Edith Müller-Schkeuditz besichtigen.

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