Kein Foto – keine Antwort

Thommy Weiss / pixelio.de

In einer Singlebörse ist das Profilbild das A und O. Ahhhh wenn das Bild gefällt und Oh wenn keins im Profil ist. Bei Oh hat man schon so gut wie verloren, bei Ah immerhin eine Chance. Ziemlich oberflächlich? Vielleicht. Vielleicht aber auch nur fair.

Wenn ich nach interessanten Männern suche, nutze ich gern die FirstStep-Variante. Dabei bekomme ich nacheinander Fotos von „passenden“ Männer präsentiert. Wenn mir das Bild gefällt, habe ich die Wahl: ins Profil schauen, Nachricht oder Gästebucheintrag hinterlassen oder einfach FirstStep klicken. Letzteres kommt einem Facebook-“Gefällt mir“ ziemlich nahe und beide bekommen eine Nachricht, wenn sie sich gegenseitig geliked haben.

Fällt euch etwas auf? Richtig: Männlein wie Weiblein ohne Profilfoto fallen bei dieser Methode komplett durchs Raster. Innere Werte verlieren gegen das äußere Erscheinungsbild, der echte Rohdiamant hat keine Chance gegen die inszenierte Schokoladenseite. Aber ist das nicht auch im Offline-Leben so, dass man meist nur den anschaut, der sich offen präsentiert?

Und damit meine ich nicht offenherzig oder am besten halb nackt. (Wobei das Angebot nackter Haut und für diverse Schäferstündchen immens hoch ist.) Ich meine die offene Art, mit der man auf Menschen zugeht, die man kennenlernen möchte. Und genau dafür treibt man sich doch in so einer Singlebörse herum, oder nicht?

Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Ich möchte jedenfalls auch im Offline-Leben niemanden kennenlernen, der mir mit einer Tüte über dem Kopf gegenübertritt. Nicht umsonst habe ich in meinem Profil die Frage nach dem Aussehen meines Traumpartners auch gewissenhaft beantwortet:

„Größer als ich und vom Alter her irgendwo zwischen 28 und 45. Ach und nach Möglichkeit mehr Haare auf dem Kopf als auf der Brust.“ steht dort. Und weiter vorn: „Kein Foto, keine Antwort“.

Ich mag weder Brusttoupet noch Glatze, aber wenn mich einer mit beidem vernünftig (!) anschreibt werde ich ihn nicht deswegen abblitzen lassen. Beim Alter mach ich da weniger Ausnahmen, weil ich eben nicht will. Aber wenn der Absender kein Foto im Profil hat, muss er sich schon mächtig was einfallen lassen, damit ich die Nachricht nicht gleich in den Papierkorb verschiebe. Wenn ich dann doch antworte, beinhaltet die Post dann auch die Frage nach einem Bild.

Manche reagieren widerwillig („Muss das jetzt sein?“), andere mit Ausreden („Mein Chef ist auch hier.“) oder senden es dann wenigstens per Mail. Was dann zum Vorschein kommt, muss nicht mal schlecht sein, wird aber fast immer aus Minderwertigkeitsgefühlen heraus nicht ins Profil gesetzt. Auch wenn der Kontakt danach recht gut verläuft bleibt bei mir ein seltsamer Nachgeschmack. Mein Gegenüber fühlt sich irgendwie ertappt, ich mich unter Druck, ihn möglichst toll zu finden, um seine Selbstzweifel zu zerstreuen.

Irgendein schlauer Mensch hat mal gesagt, dass man sich selbst lieben muss, um geliebt werden zu können. Wie viel Wahrheit in diesem Satz steckt habe ich kurz nach meiner letzten Trennung erkannt. Meine anfänglichen Versuche, mich in freier Wildbahn wieder wohlzufühlen und aktiv nach dem neuen Liebesglück zu suchen, scheiterten kläglich. Rückblickend muss ich sagen: an mir selbst.

Jedes Kompliment, klang für mich hohl. Bei jedem Kontakt mit einem halbwegs ansprechenden Mann kam sofort der Gedanke „der will sowieso nichts von einer wie mir“. Die Trennung vom Vater meiner Kinder hatte tiefe Wunden hinterlassen, gegen die auch ehrliches Interesse nichts ausrichten konnte.

Bezeichnender Weise hatte ich damals in einer Singlebörse nur mein rechtes Auge als Profilbild eingestellt. Eines Tages bestückte ich meinen Text für die Selbsteinschätzung – aus einem Anfall von bitterstem Sarkasmus heraus – mit all meinen Macken und schrieb darunter: „Na wer traut sich trotzdem, mich anzuschreiben?“.

Es gab sogar ein paar todesmutige – und einen Sklave auf der Suche nach einer neuen Herrin. Geantwortet habe ich keinem, denn mir war klar geworden, wie sinnlos die Suche nach einem Partner ist, wenn ich mich selbst nicht mal leiden kann. Seitdem ist mir bewusst, wie viel das pure Vorhandensein eines Profilfotos über den Menschen dahinter aussagt.

Immerhin mag sich der Mann hinter dem Profil dann soweit, dass er mir offen gegenüber tritt. Also ohne Tüte über dem Kopf und eher nach dem Motto „Das bin ich und etwas anderes gibt es bei mir nicht“. Ob mir sein Foto dann gefällt, er mich nach der dritten Nachricht langweilt oder mit speziellen Macken abschreckt, steht dann auf einem ganz anderen Blatt. Und wahrscheinlich im nächsten Artikel.

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3 Responses to Kein Foto – keine Antwort

  1. Da ich (leider!) über jahrelange Erfahrungen in einer Single-Börse verfüge (und das meine ich in keiner Weise überheblich), könnte ich zu dieser Thematik so Einiges an Erfahrungen beisteuern.

    Doch Deine Antworten zu Deinem letzten Artikel, Tina, zeigen mir, dass wir (zumindest virtuell) aneinander vorbei reden. Darum werde ich diese Artikel nur verfolgen und möchte dennoch in diesem Zusammenhang gerne nochmals auf diesen Artikel aufmerksam machen

  2. Firefly sagt:

    Ich sag dir mal was: Ich HASSE fotos von mir xD Im normalen Leben seh ich viiiiiiiiiiel besser aus (denke ich).
    Aber ja, es ist eine gesunde Menge Selbstliebe die man braucht, um hübsch zu wirken. Ein Lächeln dass die Augen erreicht sieht auch super aus, wenn die Haare verfilzt und das Make Up verlaufen ist ;)
    Anders als mein Vorschreiber werde ich also fleißig weiter kommentieren, ob dir das passt oder nicht :P

    • tina sagt:

      ich freu mich drauf
      abgesehen davon biste aber raus… du hast schon einen erfolgreich bezirzt
      haste fein gemacht

      lg tina

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